Gender-Regeln
Grundsätzliches
- Die weibliche Form steht immer vor der männlichen.
- Sprache ist Ausdruck unseres Denkens. Wenn in der Sprache Frauen nicht berücksicht werden, ist es leicht, sie auch im Denken zu vergessen. Und damit wird Handeln männlich.
- Die Form der geschlechterneutralen Formulierung sollte innerhalb eines Textes nicht gewechselt werden. Problematisch ist das allerdings bei langen Texten, es kann "stilistische Langeweile" entstehen.
- Gender Mainstreaming soll sich in einem Text nicht auf die Formulierungen allein beschränken, sondern auch im Inhalt sichtbar werden. Unterschiedliche Zugänge zu einem Thema, unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer sollten erwähnt werden.
- Geschlechtsneutrale Formulierungen stehen zum Teil im Widerspruch zu Kriterien der Lesbarkeit von Texten. Jeder Schrägstrich, jedes Binnen-I unterbricht bei ungeübten LeserInnen den Lesefluss. Bei der Wahl der geschlechtsneutralen Formulierung sollte daher bewußt das Zielpublikum des Textes berücksichtigt werden.
Das Binnen-I
Die einfachste Form geschlechtergerechter Formulierung. Sie ist vor allem platzsparend. Allerdings: Ohnehin schon lange Wörter werden durch das Binnen-I noch länger und damit schwerer verständlich.
Anwendungsbeispiele:
der/die TeilnehmerIn, TeilnehmerInnen
der/die FreundIn, FreundInnen
der/die PartnerIn, PartnerInnen
Das Binnen-I darf nicht verwendet werden, wenn ohne die Endung „In“ oder „Innen“ ein grammatikalisch falsches oder nicht existierendes Wort entsteht.
Das ist oft der Fall,
- wenn die weibliche Form durch einen Umlaut gebildet wird,
- bei Genitivbildungen.
Beispiele:
| richtig |
falsch |
| die Ärztin und der Arzt |
die/der ÄrztIn |
| die Ärztinnen und Ärzte |
die ÄrztInnen |
| die Hofrätin und der Hofrat |
die/der HofrätIn |
| der Partnerin und des Partners |
der Partners/in |
| der Antragstellerin und des Antragstellers | der/des AntragstellerIn |
Singular / Plural
Schwerfällige Formulierungen oder Probleme bei der Verwendung des Binnen-In können vermieden werden, wenn auf Plural ausgewichen wird. Das vereinfacht auch die Weiterführung des Textes, weil „sie/er“ durch „sie“ ersetzt werden kann.
Erweiterung des Binnen-I
Das Prinzip kann auf Artikel, Pronomen oder unbestimmte Zahlwörter angewendet werden.
Beispiele:
jedeR Fünfte
freundlicheR VerkäuferIn
neueR PartnerIn
Auch in diesem Fall muss die Formulierung ohne „R“ grammatikalisch richtig sein.
Organisationen / Firmen / Funktionen
Die korrekte Formulierung wird bei Organisationen häufig übersehen.
Beispiele:
| richtig |
falsch |
| die AK als Herausgeberin | die AK als Herausgeber |
| die EU ist Gesetzgeberin | die EU ist Gesetzgeber |
| die Dienststelle ist Ansprechpartnerin | die Dienststelle ist Ansprechpartner |
Achtung: Sind durch eine Bezeichnung Personen gemeint, muss die weibliche und männliche Form verwendet werden. Als Beispiel: „SozialpartnerInnen“.
Geschlechtsneutrale Bezeichnungen
Vielfach können Bezeichnungen durch geschlechtsneutrale Wörter mit identischer oder sogar genauerer Bedeutung ersetzt werden. Texte werden dadurch leichter lesbar und verständlicher.
Beispiele:
| richtig | besser |
| TeilnehmerInnen | Teilnehmende |
| MitarbeiterInnen | Mitarbeitende, Bedienstete, Arbeitskräfte, Team, Belegschaft |
| VorgesetzteR | Führungskraft, Leitung |
| LehrerIn (LehrerInnen) | Lehrende, Lehrperson |
| GesprächspartnerInnen | Gesprächsbeteiligte |
Kreative Lösungen
Manche Konstruktionen können durch andere Formulierungen umgangen werden.
Beispiele:
| richtig | besser |
| Zugang für RollstuhlfahrerInnen | rollstuhlgerechter Zugang |
| TeilnehmerInnenliste | Teilnahmeliste |
| PraktikantInnenstelle | Praktikumsstelle |
| Rat der Ärztin / des Arztes | ärztlicher Rat |
Passivformen und Gebrauch von Zeit- und Eigenschaftswörtern als Hauptwort (Nominalisierung)
Auch durch diese stilistischen Mittel ist geschlechtsneutrale Formulierung möglich. Allerdings erschweren sie die Lesbarkeit eines Textes.
Beispiele:
| korrekt | passiv / Nominalisierung |
| Die AbsolventInnen erhalten nach dem Kurs eine Bestätigung. |
Nach Absolvierung des Kurses wird eine Bestätigung ausgestellt. |
| Die TeilnehmerInnen der Sitzung haben eine To-Do-Liste erstellt. | In der Sitzung wurde eine To-Do-Liste erstellt. |
Das „man“-Problem
Im gängigen Sprachgebrauch entsteht durch „man“ eine Entpersonalisierung und Distanz. Eine Möglichkeit ist die Ergänzung mit „frau“, die aber von vielen Personen nicht sehr geschätzt wird und den Lesefluss erschwert.
Umgehungsmöglichkeiten bieten Personalisierung oder direkte Anrede.
Beispiele:
| richtig | besser |
| Frau/man rechnet mit viel Publikum. | Die VeranstalterInnen rechnen mit viel Publikum. |
| Die Unterlagen schickt frau/man an die Abteilung xy. | Ihre Unterlagen schicken Sie an die Abteilung xy. |
| Frau/man glaubt an Gott. | Die Bevölkerung glaubt an Gott. |
Anreden und Titel
Direkte Anrede wirkt in vielen Texten und Vorträgen persönlicher und bewahrt vor schwierigen Konstruktionen.
Titel werden ausgeschrieben oder gesprochen immer in die weibliche Form gesetzt: Magistra, Doktorin, Kommerzialrätin, …
Die geschriebene Abkürzung ist bereits geschlechtsneutral: Mag., Dr., KR, … Wenn kein Vorname angegeben ist, wird „Frau“ vor den Titel gesetzt und / oder die weibliche Endung hochgestellt an den Titel angeschlossen (Mag.a, Drin, KRin, …).
Der Unterstrich
Ähnlich wie das Binnen-I wird der Unterstrich verwendet. Der Unterschied ist die ideologische Bedeutung. Während das Binnen-I lediglich weiblich und männlich berücksichtigt, ist der Unterstrich ein Symbol für all jene, die sich im weiten Feld zwischen weiblich und männlich bewegen.
Ein Beispiel: Lehrer_in
Eine Frage der Routine
Dies alles mag wirken wie komplizierte Grammatik. Tatsächlich braucht es nur ein wenig Übung und Routine.
